{Rezension}Oliver,Lily: Die Tage, die ich dir verspreche

18. September 2016

Lily Oliver | Einzelband | Erscheinung: 1.9.16 | Knaur TB | 368 Seiten | Kaufen?

Inhalt

Gwen ist nach ihrer Herztransplantation vollkommen überfordert. Sie sieht es gar nicht als Geschenk, sondern als Bestrafung und hat gegenüber der Familie des Organspenders Gewissensbisse. In einem Forum sucht sie Hilfe und entscheidet sich ihr Herz an jemanden zu geben, der sich wirklich darüber freut. Noah, der Moderator der Seite, geht als Schein auf den Deal ein. Als dann Gwen vor seiner Tür steht, kann er es kaum glauben und lässt die junge Frau bei sich einziehen. Je mehr Tage vergehen desto mehr fühlt sich Gwen zu Noah hingezogen.

Meine Meinung

Ich hätte niemals nach dem Buch gegriffen, wenn Nicki es nicht doppelt erhalten hätte, und bin froh, dass ich so drauf aufmerksam wurde, denn Die Tage, die ich dir verspreche ist ein Roman, der Tage lang in deinem Kopf herumspuckt und so zu einem Erlebnis wurde, das ich nicht so schnell vergessen werde.

"Weil ich endlich mal was anderes anhabe als schlabbrige Hosen und ausgebeulte Pullis. Weil ich mich aufgerafft habe. Weil hübsch und gesund für viele Menschen das Gleiche ist."  (S. 55)

Zu Beginn des Romanes habe ich erstmal meine Schwierigkeiten mit der Protagonistin Gwen gehabt, die eher Schuldgefühle anstatt Glücksgefühle nach einer - für sie notwendigen - Herztransplantation empfindet. Je mehr Seiten vergehen desto mehr erfahren wir aber über ihre Gedanken und als Leser konnte ich ihren Zwiespalt sehr gut verstehen. Sie wollte glücklich sein, konnte es aber nicht wegen der Schuldgefühle. Später dann spürte ich nur Bewunderung, dass sie selber ihr Leben in die Hand genommen hat und eine Lösung finden will. Bei Noah war ich skeptisch. Den Scherz oder die Ironie in der Mail, die er Gwen schickt, fand ich ein bisschen frech. Ob sie ein Fake ist oder nicht, kann er vorher nicht wissen. Da kommt dem Leser doch sofort die Was-wäre-wenn Fragen auf. Das hat den Protagonisten nicht gerade sehr sympathisch gemacht, aber durch sein Verhalten gegen Ende hat man es ihm dann etwas verziehen und als eine impulsive Handlung eingeordnet. Trotzdem wurde ich nicht mit dem jungen Mann warm. Außerdem erfahren wir als Leser nicht, wieso er ein Herzforum leitet, obwohl er selber keinerlei gesundheitlichen Probleme hat, keinen an Herzversagen verloren hat oder ähnliches.
Die Themenstellung die Lily Oliver sich widmet, ist eine sehr große momentan. Überall hört man Organspendeausweise und an sich ist man sich unsicher, ob man sich einen ausstellen lassen soll. Ich meine, wie hört es sich an, dass man nach seinem Tod erstmal aufgeschnitten wird, um alle Organe an andere Leute zugeben? Irgendwie gruselig, aber für die Menschen lebensnotwendig. Nach dem Buch werde ich mich auf jeden Fall schlau machen und mich genauer informieren, denn vorher hab ich mich keineswegs mit der Thematik beschäftigt.
Die Schreibweise der Autorin ist simpel gehalten und flüssig lesbar. Besonders Gwens Gedanken und Gefühle kamen an, insbesondere am Ende. Das was ich haben wollte. Lily Oliver schafft es, dass ich die Handlung nicht so schnell vergessen werde.

Alles in Allem, ein Roman mit vielen Gefühlen und detaillierten Gedanken. Leider wurde ich nicht so ganz warm mit den Protagonisten, aber die Handlung an sich, war sehr gut ausgearbeitet. Es bleibt eben nur die Frage, wieso Noah dieses Forum führt, aber das stelle ich mal hinten an. Auch in diesem Roman werden gegen Ende einige Tränen fließen. Das Ziel der Autorin müsste erreicht sein, denn ich glaube, dass viele sich nun über Organspenden, Blutspenden etc. informieren werden und somit auch etwas Gutes für unsere Menschheit tun werden.

Kommentare:

  1. Hallo Sara,
    von diesem Buch habe ich eine Leseprobe gelesen und konnte feststellen, dass es in eine ähnliche Richtung geht, wie die Bücher von John Green und Jojo Moyes. Aus diesem Grund musste ich dann leider feststellen, dass dieses Buch vermutlich nicht für mich ist. Schade, denn eigentlich sagten die Geschichte, aber ich vermute bei diesem Buch einen sehr hohen „Taschentuchbedarf“. Also ist es aktuell eher nichts für mich.
    Deine Rezension habe ich trotzdem sehr gerne gelesen.Das Gefühl, mit den Protagonisten nicht richtig warm zu werden, kenne ich übrigens auch, es sind dann meistens die Bücher, für die ich besonders lange brauche. Insoweit hat mich deine Rezension darin bestärkt, dass ich dieses Buch nicht lesen werde.
    Viele Grüße,
    Marie

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  2. Hey Sara :)

    Ich fand Noah eigentlich sehr sympathisch und fand toll, wie er sich um Gwen gekümmert hat - auch wenn er zu erst gelogen hat.

    Und wir erfahren wohl, warum er das Forum leitet. Das kam im aller ersten Kapitel aus seiner Sicht vor. Seine Mutter ist Herzchirurgin und da sie nicht so viel Zeit hat, bzw sich nicht so mit dem Forum auskennt, übernimmt Noah die meiste Zeit den Job des Moderators, der für recht und Ordnung sorgt und die Anmeldungen annimmt oder ablehnt. :)

    Mir hat das Buch alles in allem richtig gut gefallen, ich bin trotzdem noch nicht ganz Sicher, wie ich es bewerte. Ich denke, 4 oder 5 Eulen. Mal sehen :)

    LG

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    1. Hallo Nicki,

      Das ist für mich kein Grund wieso er das tut. An seiner Mom kann es ja nicht liegen. Wenn ich mich recht erinnere, war seine Mom nicht grad feinfühlig. Ich hätte mir eher was gewünscht, was von ihm kommt. Dass er das leitet - schön und gut, aber wieso? Weil seiner Ma das Forum gehört? Kein Grund.

      Freut mich aber, dass es dir so gut gefallen hat :)

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